Noch kein Baby-Bolide

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Noch kein Baby-Bolide

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Die Kinderkutsche von anno dazumal – Urahn von Jogger, Buggy & Co.
[vc_row_inner][vc_column_inner width=“1/2″][cz_image size=“large“ id=“cz_35096″ image=“1756″][/cz_image][cz_gap height=“10px“][vc_column_text css=““ el_class=“smalltext“]Kinderwagen, Inv.-Nr.: M 2004/147[/vc_column_text][/vc_column_inner][vc_column_inner width=“1/2″][vc_column_text css=““]Als „Fahrzeug der ersten Stunde“ ist er schon seit Generationen für Neuankömmlinge unserer immer mobiler gewordenen Gesellschaft etabliert: der Kinderwagen. Für diejenigen, die noch nicht selbst in der Lage sind zu steuern, geschweige denn zu sitzen, die Möglichkeit, ihre unmittelbare Umgebung zu er-fahren.

Schon der Urahn von Jogger, Sportwagen und Buggy hatte eine feste Liegefläche, war rundum geschlossen und besaß am Kopfteil ein Verdeck gegen Sonne und Regen. Als Innenausstattung waren, je nach Gusto der Halterin in puncto Fürsorge oder Komfort, mindestens eine Matratze, ein Kopfkissen und eine Decke vorgesehen.[/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][cz_gap height=“10px“][vc_column_text css=““]Meist waren Wägen dieses Typs sehr hoch, so dass sich die Fahrzeugführerin oder ihre Vertreter gut ins Innere beugen konnten. Auch eine mehr oder weniger ergonomisch geformte Schiebestange zeichnete die Gefährte aus. Große Räder brachten nicht nur die gewünschte Höhe, sondern ließen sie größere Bodenunebenheiten mühelos überwinden. Zum Fahr- und Liegekomfort des/der Umsorgten trug eine dynamische Federung wesentlich bei.

Wie beim Automobil ist auch beim Kinderwagen die Genese optisch gut nachzuvollziehen. Fanden anfangs überwiegend natürliche Materialien Verwendung, oft noch nach handwerklicher Manier verarbeitet, wurden sie schrittweise durch Industrieerzeugnisse ersetzt. Chassisaufbauten aus geflochtenen Weidenkörben wichen kunstlederbespannten Hartfaserkarossen oder schnöden Plastikwannen mit aufgeklebtem Chromzierrat. Eisenbereifte Holzräder wurden durch Niederdruckpneus mit Grobstollenprofil ersetzt.[/vc_column_text][cz_gap height=“10px“][vc_row_inner][vc_column_inner width=“1/2″][cz_image size=“large“ id=“cz_39044″ image=“1757″][/cz_image][/vc_column_inner][vc_column_inner width=“1/2″][vc_column_text css=““]Auch die Formen wandelten sich immer mehr weg vom eher behäbigen Korb hin zur windschnittigen Multifunktionswanne. Fernziel wird wohl die vollklimatisierte, selbstreinigende und stoßabsorbierende Fahrgastzelle mit Dolby-Surround-Beschallung, Babyphon und Nuckelautomat sein, platziert auf einem luftgefederten, scheibengebremsten Chassis mit Elektroantrieb und Wegstreckenprogrammierung.

Doch das überlassen wir berufeneren Zeitgenossen. Wir beschäftigen uns lieber mit den Vorfahren jener Futuro-Chaisen, also Objekten wie diesem musealen Gefährt, das bestimmt schon an die 100 Lenze auf dem Buckel hat.[/vc_column_text][/vc_column_inner][/vc_row_inner][cz_gap height=“10px“][vc_column_text css=““]Auf seiner Korbreling sind noch eindeutige Hinweise auf ein (verlorenes) Verdeck. Überrascht hat uns die erstaunlich wirkungsvolle Schwingungsdämpfung mittels einfacher Blattfedern aus Stahl. Großen Gefallen fanden die (Reste der) feinen Zierlinien aus Goldbronze auf dem ehemals schwarz lackierten Fahrgestell.

Schließlich ein nettes Detail am Rande: Bei der professionellen Konservierung unseres Wagerls wurde unter der Erstausstattermatratze ein U-förmig gebogenes Stück Bandeisen entdeckt. War dies nun der erste Glücksbringer für den jeweils einliegenden und herumchauffierten neuen Erdenbürger oder nur ein verirrtes Absatzeisen eines Lederstiefels? Aus etwas nostalgisch verklärter Sicht vermuten wir ersteres.

Nüchterner besehen konstatieren wir, dass es sich um ein Pfennigteil aus dem großen Fundus eines Schuhmachers handelt. Diplomatisch vermittelnd und leicht schmunzelnd tippen wir auf das sichtbare Relikt der Fürsorge einer pragmatisch denkenden Mutter.[/vc_column_text][cz_gap height=“20px“][cz_free_line id=“cz_69606″ sk_line=“background-color:#cccccc;height:1px;“][vc_column_text css=““ el_class=“smalltext“]

Text: Ernst Höntze, Photos: Hans Eichinger

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